Nahrung & Verdauung

Der Koala ist das einzige Säugetier, das sich ausschließlich durch Eukalyptusblätter ernähren kann. Eukalyptusblätter sind jedoch sehr reich an harten Fasern bzw. Ballaststoffen und haben einen ziemlich niedrigen Nährwert. Für die meisten anderen Tiere sind die Blätter sogar hoch giftig. Die Natur hat den Koala jedoch mit einigen speziellen Anpassungen ausgestattet, die ihm diese schwierige Nahrungsquelle erschließen.

Eine ziemlich langsamer Stoffwechsel ermöglicht es den Tieren, das Futter für relativ lange Zeit in ihrem Verdauungssystem zu speichern, um somit daraus ein Maximum an Energie, in Form von Nährstoffen, zu gewinnen. Die niedrige Stoffwechselrate verringert zusätzlich den Energiebedarf des Tieres in beträchtlichem Maße. Um weitere Energie zu sparen, schlafen bzw. dösen die Koalas zwischen 18 und 22 Stunden pro Tag.

Das Verdauungssystem der Koalas ist auf Eukalyptus spezialisiert und in der Lage, die giftigen Chemikalien in den Blättern zu neutralisieren. Es wird angenommen, dass die Eukalyptusbäume die Gifte zum Schutz vor blätterfressenden Tieren produzieren, wie z. B. Insekten. Es scheint, daß Eukalyptusbäume, die auf nährstoffarmen Böden stehen, mehr toxische Substanzen enthalten, als Bäume, die auf nährstoffreichen Böden wachsen. Dies könnte einer der Gründe dafür sein, warum Koalas nur bestimmte Sorten von Eukalyptus zu sich nehmen und warum sie diese, wenn sie auf bestimmten Böden wachsen, manchmal sogar meiden. Des Weiteren erklärt es, warum Koalas die Blätter der gleichen Baumart manchmal fressen und manchmal meiden.


Photos by August, Hsueh-Cheng Ho

Die Koalas haben für die Verdauung der faserigen Blätter ein besonderes Organ, das "Caecum" (Blinddarm) genannt wird. Andere Säugetiere und auch der Mensch besitzen zwar ebenfalls einen Blinddarm, das "Caecum" des Koalas ist jedoch im Vergleich dazu sehr lang (200 cm - zum Vergleich beim Mensch: nur 6-8cm). In diesem Blinddarm befinden sich Millionen von Bakterien, die die sonst unverdaulichen Ballaststoffe aufspalten, um Nährsubstanzen zu erhalten, die wiederum leichter vom restlichen Darm aufgenommen werden können. Trotz dieser Anpassung an den Eukalyptus als Nahrung, ist der Koala dennoch nicht in der Lage mehr als 25 Prozent der Ballaststoffe aufzunehmen. Da die Koalas auch das gesamte in den Blättern enthaltene Wasser aufnehmen, müssen sie nur äßerst selten etwas trinken. In Trockenzeiten können sie jedoch auch direkt Wasser zu sich nehmen, da der Wassergehalt der Blätter dann zu niedrig sein kann.


P.Schouten, in: 'Koalas, the little Australians we'd all hate to lose' Bill Phillips AGPS

Ein Koala frißt durchschnittlich etwa 200 bis 500 Gramm Blätter pro Tag. Seine Zähne sind speziell an diese Nahrung angepasst. Mit den scharfen Vorder- und Schneidezähnen können die Tiere die Blätter von den Ästen leicht abtrennen. Die Backenzähne sind so geformt, dass sie die Blätter mehr zerteilen, als sie zu zermahlen. Eine Lücke zwischen den Vorder- und den Backenzähnen (das sogenannte "Diastema") ermöglicht es der Zunge, die Blättermasse im Maul zwischen den verschiedenen Zahnreihen hin und her zu bewegen.

Koalas sind im Bezug auf ihre Nahrung sehr wählerisch und haben starke Vorlieben für bestimmte Eukalyptusarten. In Australien gibt es über 600 verschiedene Eukalyptussorten, von denen die Koalas jedoch nur eine geringe Anzahl als Nahrung akzeptieren. Je nach Region ist es manchmal nur eine und nie mehr als zwei oder drei Eukalyptusarten, die von den dort ansässigen Koalas regelmäßig als Futterquelle genutzt werden (bevorzugte Nahrungsbäume). Erstaunlicherweise werden gelegentlich auch anderer Baumspezies (die nicht der Familie des Eukalyptus angehören) als Nahrungsquelle oder als Schlaf- und Aufenthaltsplatz genutzt.

In den verschiedenen Regionen Australiens wachsen unterschiedliche Eukalyptusarten, so dass ein Koala aus dem Bundesstaat Victoria andere Eukalyptusblätter bevorzugt, als z. B. ein Koala aus Queensland. Außerdem scheint es, dass den Koalas ihre doch recht eintönige Nahrung manchmal langweilig wird und sie deshalb gelegentlich auch auf die Blätter anderer australischer Bäume (Akazien, Tee-Bäume usw.) zurückgreifen.